Unterstufe

Die Unterstufe (Klassen 1-4) umfasst die erste Hälfte der gesamten Klassenlehrerzeit. Betreten die Erst- und Zweitklässler am Morgen ihre Klassenzimmer, so finden sie mobile Sitzbänke und Kissen vor, die sie zu Arbeitstischchen in Reihen oder einem großen Sitzkreis stellen können. Gleichzeitig laden sie vor Unterrichtsbeginn auch zum kreativen Bauen wie z.B. von Parcours und Schiffen ein, was als „Bochumer Modell“ bezeichnet wird.
Ab der dritten Klasse sind die Klassenräume mit festen Tischen und Stühlen ausgestattet. Jedes Klassenzimmer wird liebevoll vom Klassenlehrer eingerichtet und dekoriert: Neben einem großen
Jahreszeitentisch aus bunten Tüchern, Blumen und Püppchen rundet das Tafelbild die Gestaltung des Raumes ab.
In jeder Klassenstufe begrüßt der Klassenlehrer seine Schüler persönlich mit einem Händedruck an der Tür und nimmt das Kind in den wenigen Sekunden besonders intensiv wahr.
Der Tag beginnt für alle Schüler mit dem Hauptunterricht, der in einen rhythmischen Teil, Epochen- und Erzählteil gegliedert ist.
Von der allgemeinen Begrüßung geht es in den rhythmischen Teil über, der mit dem Morgenspruch Rudolf Steiners für die Unterstufe eingeläutet wird. Im Anschluss daran werden passend zur Jahreszeit und Epoche
gemeinsam Lieder gesungen und Gedichte rezitiert, die mit stimmungsvollen Bewegungen begleitet werden. Dadurch werden die Kinder in ein gemeinsames Tun gebracht, damit sie infolgedessen wach in den Epochenteil einsteigen können.
Die Epochen in den Klassen 1-3 beinhalten über das Jahr verteilt ca. 12 Wochen Rechnen, 14 Wochen Schreiben sowie 10 Wochen Formenzeichnen. In der Regel erhalten die Schüler ab der 2. Klasse kleine Hausaufgaben.
In der 3. Klasse tauchen zusätzlich allerlei Handwerksepochen auf: Hausbau-, Feldbau- und Handwerkerepoche.
Ab der 4. Klasse wird das Formenzeichnen deutlich reduziert und zwei neue Epochen finden ihren Platz im Hauptunterricht: die Menschen- und Tier- sowie auch die Heimatkunde. Der Epochenteil lässt sich wie folgt untergliedern: Wiederholen die Schüler im ersten Teil bereits Gelerntes und bekommen neue Inhalte vermittelt, so dürfen sie letztere anschließend üben und durch Heftarbeit vertiefen. Dabei stellen die Epochenhefte ihre individuell gestalteten Lehrbücher dar.
Bevor mit dem gemeinsamen Frühstück die Pausenzeit beginnt, findet in den Klassen 1 und 2 meist eine max. 20-minütige Fremdspracheneinheit statt, bestehend aus Englisch und Französisch im vierwöchigen Wechsel. Hierbei dürfen sich die Schüler auf spielerische Weise mit den Klängen der jeweiligen Sprache vertraut machen und lernen ganz nebenbei Sprüche, Lieder und Gedichte. U.a. werden auch die fremdsprachlichen Begriffe für Zahlen, Farben und Tiere vermittelt. Ab der dritten Klasse werden diese Einheiten als vollständige Nebenfächer unterrichtet und weichen dem Hauptunterricht. Zudem werden erste Inhalte schriftlich festgehalten.
Der Erzählteil, der in Klasse 1 und 2 zumeist in die Abschlussstunde gelegt wird, rundet ab der 3. Klasse den Hauptunterricht vollständig ab. Nach einem intensiven Lern- und Arbeitsteil können die Schüler so in neue Welten eintauchen, wodurch ihre Fantasiekräfte angeregt werden.
Lauschen die Erstklässler den bildhaften Märchen u.a. von den Gebrüdern Grimm, so hört die 2. Klasse von Fabeln und den Heiligenlegenden. In der 3. Klasse steht das Alte Testament im Mittelpunkt, wohingegen sich die 4. Klasse mit der Nordischen Mythologie beschäftigt.
Nach dem Hauptunterricht halbieren sich die jeweiligen Klassen und die Schüler besuchen die theoretischpraktischen und bewegten Fachunterrichte.
Wird in den ersten drei Schuljahren im Malen der Fokus auf die einzelnen Farbqualitäten und ihre freien Formen gelegt, die anhand von Farbgeschichten eingeführt werden, gewinnen ab dem 4. Schuljahr die Bilder teils durch gegenständliche Formen an Klarheit.
In den Klassen 1 und 2 findet das Spielturnen statt, in dem sich die Schüler u.a. im Gleichgewichtfinden und Seilspringen üben. Ab der 3. Klasse beginnt der reguläre Sportunterricht.
Die Fächer Malen und Spielturnen werden zumeist vom Klassenlehrer begleitet.
Auch die Fächer Musik, Eurythmie und Handarbeit sind bereits ab der 1. Klasse fest im Stundenplan verankert.
Die Evangelische und Freichristliche Religion werden ab der 2. Klasse unterrichtet. In dieser Klassenstufe finden ebenfalls die ersten Übstunden statt, um Gelerntes zu intensivieren.
In der 1. und 2. Klasse wird besonders Wert darauf gelegt, dass der Klassenlehrer so oft wie möglich seine Klasse begleitet, weshalb auch der Schultag mit ihm im Rahmen der sogenannten Abschlussstunde endet. In dieser Zeit finden nicht selten Gespräche oder Spiele ihren Raum, wobei der ausgedehnte Erzählteil als schönster Part den Tagesabschluss bildet.
Jeder Klassenlehrer verabschiedet sich ähnlich wie bei der morgendlichen Begrüßung mit einem kräftigen Händedruck und einer kurzen Wahrnehmung jedes einzelnen Schülers.
Eine große Bedeutung wird an unserer Schule den Jahreszeitenfesten beigemessen.
In der gesamten Unterstufe feiern die Schüler jedes Jahr am 29. September ein großes Michaelifest, anlässlich dessen sie an unterschiedlichen Stationen ihre Kräfte messen und ihr Gleichgewicht finden können.
Der Laternenlauf in der 1. und 2. Klasse fällt in jeweils in die dunkle Jahreszeit hinein, in die auf diese Weise ein Licht getragen werden soll. Dieser Gedanke liegt auch dem Adventsgärtlein zugrunde, das von beiden Klassen Anfang Dezember gefeiert wird. Jeder Schüler läuft eine mit Tannengrün ausgelegte Spirale entlang, in deren Mitte eine Kerze brennt. An ihrer Flamme entzündet er seine eigene mitgebrachte Kerze, die er auf der Spirale abstellt, während er diese wieder verlässt.
Auch eine Feier zum Nikolaustag am 6. Dezember findet in beiden Klassenstufen statt. Es ist mit einem Besuch des Nikolauses zu rechnen, der für alle Kinder eine kleine Überraschung in seinem Beutel bereithält.
Das nächste größere Fest, das nun wiederum von allen Klassen gefeiert wird, ist das Faschingsfest. Die Kostümierung richtet sich besonders in der Unterstufe nach den dargebotenen Inhalten des Erzählteils.
Zum Johannifest am 24. Juni wird ein großes Feuer entfacht, wobei stimmungsvolle Lieder gesungen werden.

 

Über alle Schuljahre hinweg sind in jeder Klassenstufe einzelne Projekte vorgesehen:
Während die 1. und 2. Klasse erste Erfahrungen auf der Bühne für die Monatsfeiern sammeln dürfen und kleine Theaterstücke einstudieren, besuchen die Drittklässler während der Handwerkerepoche den Schmied, Schneider oder Töpfer, lernen ihr Handwerk vom Meister persönlich kennen und dürfen dabei tief in den 
jeweiligen Beruf eintauchen. Die Ackerbauepoche ermöglicht eine intensive Verbindung mit der Natur und ihren Gesetzmäßigkeiten. Dabei darf das Bestellen des Feldes nicht fehlen, sodass die Schüler von der Bearbeitung des Bodens über das Säen bis hin zur Ernte jeden noch so kleinen Schritt in der Natur miterleben dürfen. Im Rahmen der Hausbauepoche geht es gezielt darum, dass alle Schüler in Gemeinschaftsarbeit ein Haus errichten sollen.
Nach einem spektakulären dritten Schuljahr wird es im 4. nicht minder aufregend, denn es erwartet die Schüler ihre erste richtige Prüfung: die Fahrradprüfung. Neben der Theorie kommt die Praxis dabei nicht zu kurz.

Für die 4. Klasse ist nun auch die erste Klassenfahrt mit Übernachtung vorgesehen. Hier besuchen die Schüler für zwei Tage den Köhler und stellen im Rahmen dessen selbständig Kohle her. Natürlich darf bei solch einer Klassenfahrt die Nachtwanderung durch den dunklen Wald nicht fehlen, wobei jeder Schüler spätestens zu diesem Zeitpunkt eine große Portion Mut dazugewinnt.
Ist nun die Unterstufenzeit beendet, dürfen sich alle Schüler mit Beginn der 5. Klasse zur Mittelstufe zählen undauf einen neuen Abschnitt ihres Schülerlebens freuen.